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Exkursionsbericht „Trockenhänge südöstlich Lommatzsch“

Exkursionsbericht „Trockenhänge südöstlich Lommatzsch“

Am 21.06.2025 traf sich der ehrenamtliche Naturschutzdienst Meißen zur praktischen Naturschutzhelferschulung im Naturschutzgebiet „Trockenhänge südöstlich Lommatzsch“.

Vom nahegelegen Ort Prositz liefen wir wenige Schritte zur Teilfläche Prositz-Wachtnitzer Hang, die aus kulturhistorischer und naturschutzfachlicher Sicht ein besonders wertvoller Abschnitt des Schutzgebietes ist. Wir erfuhren, dass der Boden an diesem Südhang vom anstehenden Gestein durchragt wird und nährstoffarm ist. Er kann dadurch nur wenig Wasser speichern. Es herrschen Wassermangel und zusätzlich hohe Temperaturen auf diesen Flächen.

Trockenrasen, wie man diese Biotopform nennt, weisen so extreme Lebensbedingungen auf, dass nur Pflanzen wachsen können, die sich durch einen speziellen Wuchs vor Hitze und Wassermangel schützen. Die früher hier vorkommende Schwarze Küchenschelle (Pulsatilla pratensis) beispielsweise, ist sehr konkurrenzschwach gegenüber anderen Pflanzen, kann jedoch durch eine clevere Anpassung sehr extreme Standorte besiedeln, auf denen andere Pflanzen nicht existieren können. Sie kann Wasser mit einer bis zu 3 m tiefreichenden Pfahlwurzel aus tieferen Bodenschichten erschließen, selbst wenn die Oberfläche staubtrocken ist. Die gesamte Pflanze ist zudem mit seidig weißen Haaren überzogen. Diese reflektieren Sonnenlicht, reduzieren die Verdunstung und schützen vor Überhitzung.


Da der Bestand der Pflanze auf der Fläche durch Ausgraben der letzten Exemplare vernichtet wurde, siedelte die untere Naturschutzbehörde gemeinsam mit einer ortsansässigen Naturschutzhelferin, gezielt neue Exemplare aus letzten heimischen Herkünften, die vom botanischen Garten in Dresden herangezogen wurden, an.

Die vorkommenden Pflanzen (Schwarze Küchenschelle , Walliser Schwingel, der Hirschwurz-Haarstrang, die Phönizische Königskerze und die Bologneser Glockenblume) kommen nur an sehr wenigen Standorten in Sachsen vor. Sie sind laut der Roten Liste Sachsen aufgrund ihrer Seltenheit so schwerwiegend bedroht, dass sie in absehbarer Zeit aussterben, wenn die Restbestände dieser Arten nicht mittels wirksamer Schutz- und Hilfsmaßnahmen gesichert werden. Die Bologneser Glockenblume hat sogar ihr einziges sächsisches Vorkommen hier im Ketzerbachtal.

Die heimischen seltenen Trockenrasen sind das Ergebnis von Boden-, Klima- und Reliefbedingungen an diesem Standort sowie der frühen nacheiszeitlichen Vegetationsentwicklung und langen Besiedlungsgeschichte seit der frühen Bronzezeit. Um diese Biotope und den Artenreichtum, der durch vergangene Nutzungsformen entstanden ist, zu erhalten, sind spezielle, mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmte Pflegemaßnahmen und Nutzungen mit bestimmter Technik und zu bestimmten Zeitpunkten notwendig. Der große Aufwand der Pflege der Schutzgebiete wird betrieben, da das Schutzgut einmalig in Sachsen ist. Naturschutzgebiete sind wie Schatztruhen mitten in unserer Landschaft – voll lebendiger Vielfalt, seltener Tiere und Pflanzen, die anderswo kaum noch Raum finden. Der Schutz dieser Schatztruhen lässt sich jedoch nur dank der erfreulichen Kooperation mit den ortsansässigen Landwirtschaftsbetrieben verwirklichen.

Arten sind weit mehr als nur hübsche Farbtupfer in der Landschaft – sie sind die tragenden Säulen funktionierender Ökosysteme. Jede Art erfüllt eine bestimmte Rolle, sei es als Bestäuber, Bodenverbesserer, Schädlingsregulierer oder Nahrungsglied in der Kette. Wenn Arten verschwinden, gerät dieses fein abgestimmte Gefüge aus dem Gleichgewicht.  Die Erhaltung der Arten in einem Gebiet dient als Quelle für die Ausbereitung auf andere Flächen.

Außerdem sind diese Flächen ein Denkmal unseres kulturellen Erbes. Viele Halbtrockenrasen, Magerrasen oder Streuobstwiesen entstanden über Jahrhunderte durch eine bestimmte, niedrigintensive Landnutzung. Diese Praktiken formten nicht nur die Landschaft – sie prägten auch das Landschaftsbild, die Artenzusammensetzung und sogar das regionale Selbstverständnis der Menschen. Wenn diese Nutzung wegfällt, droht ein Stück Landschaftsgeschichte und Identität verloren zu gehen.


Die oben genannten Pflanzen sind nur ein kleiner Teil der vielfältigen Pflanzen- und Insektenarten, die uns auf unserer Wanderung begegneten. Eine Vielzahl an Tagfaltern, Widderchen, Käfern und Heuschrecken begleiteten unseren Weg. Nur die historisch überlieferte Tapezierspinne (eine heimische Vogelspinne), die ihren Namen der mit Seide tapezierten, bodennahen  Fangröhre verdankt, ließ sich diesmal nicht blicken. Beim Begehen der Schutzgebietsflächen lag außerdem ein würziger Duft in der Luft – beim Gehen wurden die ätherischen Öle von wildem Oregano, Thymian und Salbei freigesetzt. Schon in der Vergangenheit lockten die zahlreichen Heilpflanzen Apotheker an, die anhand von Kräuterwanderungen Heilpflanzen und ihre Anwendungen kennenlernten.

Unter der fachkundigen Führung durch Frau Zöphel von der unteren Naturschutzbehörde Meißen erhielten wir die besondere Gelegenheit, die geschützten Flächen zu betreten und die dort wachsenden Pflanzen aus nächster Nähe zu betrachten. Wir bedanken uns ganz herzlich für die vielen spannenden Informationen und das geduldige Zeigen der verschiedenen Pflanzenarten.

Anne Nimschowski, Kreisnaturschutzbeauftragte

Hinweise: Frau Zöphel bietet diese Führung auch gern erneut für interessierte Gruppen der lokalen Bevölkerung an. Dazu können Sie sich gern bei der unteren Naturschutzbehörde Meißen (kreisumweltamt@kreis-meissen.de) melden.